Was ist eine Ergotherapie?

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Vor etwa 70 Jahren wurde in Schottland der erste Verband der Ergotherapeuten gegründet. Es ging ursprünglich darum, den Kriegsverletzten bei der Überwindung ihrer Behinderungen zu helfen. In der Zwischenzeit behandeln Ergotherapeuten Menschen jeden Alters mit vielfältigen geistigen, körperlichen und sozialen Problemen mit dem Ziel, ihre täglichen Aktivitäten zu verbessern, und um Behinderungen zu vermeiden.
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"Ergotherapie begleitet, unterstützt und befähigt Menschen jeden Alters, die in ihren alltäglichen Fähigkeiten eingeschränkt oder von Einschränkungen bedroht sind, für sie bedeutungsvolle Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer Umwelt durchführen zu können.

Ziel der Ergotherapie ist es, durch den Einsatz von Aktivitäten, Betätigung und Umweltanpassung dem Menschen eine größtmögliche Handlungsfähigkeit im Alltag, Lebensqualität und gesellschaftliche Partizipation zu ermöglichen."

Diese Definition des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten gefällt uns, denn sie konzentriert sich auf das Gesunde im Menschen, auf seine Stärken, die es zu entdeckenund zu fördern gilt, auf die Suche dessen, was am besten in jedem von uns ist.

Als Ergotherapeuten machen wir uns Gedanken über die Verbindung zwischen Gesundheit und Beschäftigung. Unsere Arbeit ist vielfältig, je nachdem mit wem wir arbeiten. Es kann vorkommen, dass wir Haushaltsgerätschaften anpassen, damit sie besser benützt werden können, dass wir uns überlegen müssen, welche Alternativen es gibt, damit jemand, auch mit Einschränkungen, seinen Haushalt so selbstständig wie möglich führen kann, oder dass wir zusammen mit einem Patienten Bewältigungsstrategien für seine Probleme überlegen und entwickeln. Ergotherapeuten sind Problemlöser, die den Menschen helfen, ihr Leben in die Hand zu nehmen.

Dabei setzen wir uns zum Ziel:

  • die Selbstständigkeit des Patienten persönlich, sozial und beruflich wiederherzustellen
  • seine krankheitsbedingt eingeschränkten Funktionen zu verbessern oder zu kompensieren
  • dabei die gesamte Persönlichkeit des Patienten zu sehen und auch auf sein Umfeld einzugehen


Ergotherapeutisches Arbeiten ist für uns ein umfassendes, ein ganzheitliches Vorgehen. Die Menschen, die zu uns kommen, möchten wir in ihrer Gesamtheit als Mensch kennen lernen, wir möchten erfahren, wo ihre Bedürfnisse liegen, was ihre Ziele sind, in welchem Umfang und wie sie Einschränkungen erleben. Gemeinsam erarbeiten wir einen Plan, um die Einschränkungen zu verringern oder zu beheben, um die angestrebten Ziele zu erreichen, so dass sie sich als kompetent im Meistern ihrer Lebensumstände erleben können.

Die Kinder und jungen Menschen, mit denen wir arbeiten, müssen noch viele Fertigkeiten erwerben, um später im Leben zu bestehen. Ihre Entwicklung ist durch vielfältige Störungen eingeschränkt oder behindert. Das oberste Ziel ist es, ihre Entwicklung so zu fördern, dass sie zu selbstständigen Erwachsenen werden, die in der Lage sind, in allen Bereichen des Lebens zu bestehen.

Dazu gehört, dass sie lernen, emotional belastbar, geistig beweglich und körperlich gewandt zu werden. Es ist uns wichtig, dass diese jungen Menschen ein positives Selbsterleben und eine weit reichende emotionale Stabilität entwickeln, dass sie lernen, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen, zu äußern und auf eine sozial akzeptable Art und Weise zu erfüllen.

Das bedeutet in unserer Arbeit mit Kindern, dass die Entwicklungsförderung in allen Bereichen, also ein ganzheitlicher Ansatz, wichtig ist. Dazu gehört eine Erziehungsberatung unter Berücksichtigung des Krankheitsbildes. Das heißt, dass wir mit einem Kind, das Wahrnehmungsstörungen hat, ganz anders umgehen als mit einem Kind, das vielleicht nur unter einer motorischen Störung leidet. Oder dass Eltern lernen müssen, ein Kind mit einer sogenannten Aufmerksamkeitsstörung viel strukturierter zu lenken als seine gesunden Geschwister.

Es bedeutet, dass am Anfang der Behandlung ein ausführliches Gespräch mit den Eltern stattfindet und dass diese Elterngespräche auch laufend weitergeführt werden. Da in unserer Praxis die Anwesenheit der Eltern während der Therapie sehr erwünscht ist, gibt es hier kein Problem. Die Eltern, d.h. meistens die Mutter, sieht, was wir mit dem Kind machen, und wir können sehen, wie die Mutter mit dem Kind umgeht. So können wir sofort eingreifen und bestimmte Dinge kommentieren und sie der Mutter verständlich machen.

Kinder kommen in unsere Praxis auf Anraten des Kinderarztes, der Schule oder des Kindergartens. Zuerst muss das Kind vom Kinderarzt untersucht werden, der dann die Therapie verordnet.

Es gibt verschiedene Testverfahren, die je nach Notwendigkeit eingesetzt werden können.(Münchner funktionelle Entwicklungsdiagnostik, Frostig-Test, Handdominanztest, Körperwahrnehmungstest, Continuous Performance Test u.v.m.)

Wir beobachten das Kind gerne, während es etwas malt, bastelt oder spielt. So können wir, ohne dass das Kind sich getestet vorkommt, vieles beobachten und sehen, wo es Schwierigkeiten hat.

Für uns sind wichtig:

  • Die Grobmotorik und die Koordination – wie plant das Kind seine Bewegungen, sind seine Bewegungen verautomatisiert, gibt es pathologische Bewegungsmuster?
  • Wie sieht es mit der Feinmotorik aus, mit Malen, Reißen, Schneiden, Kleben, Falten, Schreiben, ist das Kind geschickt oder hat es Schwierigkeiten, seine Bewegungen zu steuern?
  • Hat das Kind Schwierigkeiten mit der Wahrnehmung, kann es sich im Raum orientieren, rechts von links unterscheiden, kann es Einzelheiten erkennen, wichtige Dinge heraushören?
  • Wie spricht das Kind, kann es erzählen, was es getan hat, so dass es vom Zuhörer auch verstanden wird? Wenn notwendig, wird Logopädie empfohlen.
  • Ganz wichtig ist für uns auch der kognitive Bereich, das heißt: Was weiß das Kind? Kann es sich konzentrieren, wie geht es mit Problemen um, kann es sich etwas merken, weiß es beim nächsten Mal noch, an was es arbeitet und wo wir es hingeräumt haben, kann es mehrteilige Arbeitsanleitungen befolgen usw.?
  • Welche sozialen Fertigkeiten hat das Kind, wie benimmt es sich in der Gruppe, zu Hause, in der Therapie? Welchen Eindruck bekommen wir von der Beziehung zwischen Eltern und Kind? Wie geht das Kind mit seiner Mutter um bzw. wie lässt die Mutter mit sich umgehen?
  • Welche Arbeitshaltung hat das Kind, kann es Schwierigkeiten aushalten, hat es ein angemessenes Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz?
  • Wie sieht seine allgemeine psychische Entwicklung aus, gibt es Auffälligkeiten?
  • Wie sieht es im Selbsthilfebereich aus, wie eigenständig ist das Kind?

Die Therapiemittel sind vielfältig und werden je nach Problemstellung eingesetzt. Bei manchen Kindern stehen eher Schwierigkeiten mit der Grobmotorik im Vordergrund. Hier empfehlen wir meistens Krankengymnastik oder Psychomotorik.

Wichtig ist es, grundlegende Fertigkeiten zu trainieren, damit darauf aufgebaut werden kann. Dazu gehören besonders im Hinblick auf Schulerfolg Ausdauer, Geduld, angebrachtes Sozialverhalten, Umsetzen von Anleitungen.

Ergotherapeuten machen keine Intelligenztests, das ist den Psychologen vorbehalten. Wer wissen möchte, wie sein Kind bezüglich seiner Intelligenz entwickelt ist, wendetsich am besten an die Bildungsberatungsstelle. Deren Befunde werden von den Schulen anerkannt.

Einen großen Bereich nimmt das Arbeiten mit den Händen ein. Wir arbeiten sehr gerne mit Ton, denn mit diesem Material können wir mehrere Therapieziele auf einmal verfolgen. Es eignet sich zum kreativen Gestalten genauso gut wie zum genauen Arbeiten nach Anleitung, fördert gleichzeitig die visuelle und die taktile Wahrnehmung, also das Sehen und das Spüren, macht den meisten Kindern großen Spaß und bringt sie somit unmerklich zur Konzentration und zum geduldigen Arbeiten. Außerdem wird mit Holz, Stoff, Wolle, Peddigrohr, Papier und Perlen gearbeitet.

Mit verschiedenen Spielen wird die Wahrnehmung gefördert, über Gespräche werden Probleme erörtert und gelöst. Im Lauf der Elterngespräche werden Anregungen für die Arbeit zu Hause gegeben. Bei Verhaltensschwierigkeiten arbeiten wir im Rahmen unserer Möglichkeiten verhaltenstherapeutisch, d.h., wir erarbeiten Punkteprogramme, mit denen sich viele Schwierigkeiten in den Griff bekommen lassen, besprechen mit den Eltern, wie sich ihre Reaktionen auf das Verhalten des Kindes auswirken, und geben ihnen Hinweise, wie sie das ändern können. Wenn notwendig, nehmen wir Kontakt mit dem Kindergarten oder der Schule auf. Regelmäßige Kurzberichte gehen an den Kinderarzt. Weitere Therapien werden, wenn notwendig, empfohlen.

Die ständige Verlaufskontrolle der Therapie und die Veränderung der Vorgehensweise, wenn nötig, sind selbstverständlich. Durch die enge Zusammenarbeit mit den Eltern ist das auch relativ einfach.

Was können Sie mit Ihren Kindern machen, damit sie sich gut entwickeln?

  • Lassen Sie Ihre Kinder schon von Anfang an bei der Hausarbeit mithelfen, auch wenn es hinterher grauenhaft aussieht. Das können Sie dann abends wieder in Ordnung bringen.
  • Lassen Sie Ihre Kinder „im Dreck spielen“, Dinge anfassen, so lernen sie, das Sehen und Fühlen zu verbinden. Hände kann man waschen, Kleider auch. Lassen Sie Ihre Kinder beim Spazierengehen auf Mäuerchen balancieren, auf etwas klettern und herunterspringen usw. Gehen Sie mit ihnen spazieren und besprechen Sie, was Sie sehen, hören, riechen, fühlen, schmecken. Im Wald z.B. gibt es jede Menge „Therapiemittel“.
  • Verlangen Sie von Ihren Kindern, dass sie (je nach Alter natürlich) Pflichten übernehmen, und bestehen Sie darauf, dass sie getan werden.
  • Geben Sie Ihren Kindern eine Schere in die Hand und Papier zum Schneiden, lassen Sie die Kinder beim Kochen helfen. Lassen Sie Ihre Kinder auch unter Aufsicht mit einem Messer umgehen.
  • Machen Sie sich nicht zum Dienstboten Ihrer Kinder. Bestehen Sie darauf, dass die Kinder die Dinge, die sie tun können, auch selbst machen. Beim Zimmeraufräumen (ein Lieblingsstreitpunkt) sind viele Kinder überfordert, helfen Sie, indem Sie dabei sind, ein klein wenig machen und hauptsächlich anleiten.
  • Sie müssen auch nicht als Eltern die besten Freunde und Spielkameraden sein. Dazu gibt es andere Kinder, Sie sollen das Kind lenken, ihm zeigen, wie und warum man etwas macht, welche Regeln das Leben in der Gemeinschaft erleichtern und dass sie eingehalten werden, auch von Ihnen.
  • Auch wenn Sie Gesellschaftsspiele nicht mögen: Spielen Sie mit Ihren Kindern. Es ist unglaublich, wie viel Kinder durch Spiele lernen. Sie lernen nicht nur, Punkte auf dem Würfel zu erkennen und Mengen zuzuordnen, sie erleben auch ein Gefühl der Gemeinschaft mit den Eltern, das ihnen die Sicherheit gibt, die sie brauchen, um in der Welt zu bestehen.
  • Überlegen Sie sich, welche Regeln Sie haben wollen, und bestehen Sie darauf, dass sie eingehalten werden. Logisch, dass wenige Regeln, die immer eingehalten werden, besser sind als viele Regeln, von denen es laufend Ausnahmen gibt.
  • Seien Sie selbst so ordentlich und höflich, wie Sie es von Ihren Kindern verlangen.
  • Erinnern Sie sich an Ihre eigene Kindheit und Ihre Gefühle von damals, das hilft ungemein. Geben Sie Ihren Kindern immer die Möglichkeit, ihr Gesicht zu wahren. Denken sie daran, dass Sie die „Klügeren“ sind, bauen Sie Ihren Kindern auch Brücken, damit sie gemeinsam aus einem Konflikt wieder herauskommen.
  • Lassen Sie sich nicht auf Machtkämpfe ein. Die verlieren Sie immer.